Keine Fisimatenten

Der Polizeiruf 110 „Klick gemacht“


„Klick gemacht“ – so müssten eigentlich alle Krimis heißen, in denen ein Schuss am Anfang und ein Geistesblitz am Ende der Geschichte steht. Diesmal meint die Formulierung „Klick gemacht“ aber noch etwas Drittes: Das fatale Geräusch, als Oberleutnant Rolf Darkow (Dirk Borchardt) mitten im Bayerischen Wald auf eine Landmine tritt. „Klick!“

Der Auslöser ist betätigt, der Offizier in der Falle. Eine falscher Schritt, eine unachtsame Bewegung, ein nachlassender Druck und er ist tot.


Wie der Afghanistan-Heimkehrer Darkow in diese missliche Lage gekommen ist, erzählt Autor Christian Jeltsch mit wenigen Federstrichen: Ein Vermummter hat ihm hinterrücks eins übergebraten und im Wald ausgesetzt. Aber warum steht er da? Diese Frage macht Jeltsch zur Frage des Films. Denn der Entführer ist kein durchgeknallter Sadist, sondern offenbar ein sehr überlegt handelnder Täter, der mit Oberstleutnant Darkow noch eine Rechnung offen hat.


Um die Gleichung mit den vielen Unbekannten lösen zu können, muss sich Hauptkommissar Friedl Papen – er ist der „Polizeiruf"-Legende nach der Nachfolger des ausgeschiedenen Kommissars Tauber – ins Bundeswehr-Milieu einfühlen. Das fällt dem raubeinigen Alt-68er nicht leicht. Zumal ihm die Heeresleitung Hauptmann Uli Steiger als Aufpasser an die Seite stellt. Wäre nicht längst durch die Presse gegangen, dass der Münchner Kabarettist Jörg Hube und die Berliner Schauspielerin Stefanie Stappenbeck die Nachfolge von Edgar Selge und Michaela Mey antreten, wäre es sicher eine noch größere Überraschung gewesen, dass sich hinter „Uli“ nicht Ulrich, sondern Ulrike Steiger verbirgt.


Stappenbeck spielt die zackige Jungsoldatin in Camouflage-Uniform genauso überzeugend wie Hube den bärbeißigen Pazifisten, der schon aus purer Gewohnheit allem Militärischen gegenüber einen Generalverdacht hegt. Gemeinsam müssen sie sich eine bereits abgeschlossene interne Untersuchung noch einmal vornehmen: In Afghanistan kamen drei Soldaten ums Leben. Ihr Konvoi hatte eine gefährliche Route gewählt und war geradewegs in eine Sprengstoff-Falle gefahren. Oberstleutnant Darkow hatte damals den Marschbefehl gegeben. Steht er deshalb hilflos im Wald? 


Üblicherweise sind Auftaktfolgen, in denen neue Kommissare eingeführt werden, eher behäbig und spannungslos, müssen sie doch neben der Krimihandlung auch noch die neuen Charaktere ins Spiel bringen. Hier ist gleich zur Premiere ein Ausnahmestück gelungen! Regisseur Stephan Wagner gelang das Kunststück, aus dem politischen Stoff einen atemlosen Thriller zu machen. Immer wieder zeigt der uns den leidenden Soldaten im Wald, Dirk Borchardt muss ihn fast ohne Text spielen und erzeugt doch mit seiner bemerkenswerten Eindringlichkeit Mitleid für den Todgeweihten.


Die Zeitnot, die Christian Jeltsch mit seinem Plot vorgab, hat den schönen Nebeneffekt, dass Kommissar Papen und Hauptmann Steiger keine Zeit für Fisimatenten haben (um mal im preußischen Militärjargon zu bleiben). Mit zunehmendem Respekt für die andere Seite bewegen sich die beiden aufeinander zu, bis sie am Ende des Films nicht nur den Fall gelöst, sondern auch ein eingeschworenes Team geworden sind. Eines freilich, dass leider schon kurz nach den Dreharbeiten der Tod jäh wieder auseinander gerissen hat: Jörg Hube starb im vergangenen Sommer unerwartet an Krebs.